Varroabekämpfung

Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg 2013
Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg

Diese Beratungsstellen sind für Sie da!

Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg

Varroa-Bekämpfung im Dreierpack

Gemülldiagnose zur Überprüfung des Milbenbefalls
Kein Problem mit Ameisen: Eine Rolle Papierküchentücher in Plastiktüte legen
und mit ca. 1 Liter Speiseöl tränken (Einmalhandschuhe verwenden).

Unsere Bienenvölker müssen jedes Jahr gegen die Varroamilbe behandelt werden, damit sie am Leben und leistungsfähig bleiben. Mit dem Varroose-Bekämpfungskonzept Baden-Württemberg gelingt das seit nunmehr 10 Jahren, ohne dass die Bienenprodukte mit Rückständen belastet werden oder resistente Milben entstehen. Wer sich an das Konzept hält, sorgt für gesunde Winterbienen und verhindert Milbeneintrag in andere Bienenvölker.


Bekämpfung im Dreierpack

im Frühjahr: mehrmalige Drohnenbrutentnahme und Ablegerbildung
im Sommer: zwei Behandlungen mit Ameisensäure oder Thymol
im Spätherbst/Winter: eine Träufelbehandlung mit Oxalsäure

Die Überprüfung des Milbenbefalls gibt Sicherheit!
Durch Gemülldiagnose kann der Imker jederzeit den Befallsgrad abschätzen und Ausreißer früh erkennen. Dazu bleibt die Gemülleinlage 2 bis 3 Tage unter dem Volk. Da Ameisen und andere Insekten Milben entfernen und so das Ergebnis verfälschen können, sollten mit Speiseöl getränkte Papierküchentücher auf die Gemülleinlagen gelegt werden (siehe Abbildung). Wenn der natürliche Milbenfall im Juli 5 Milben pro Tag übersteigt, sollte eine umgehende Behandlung erfolgen. Eine Alternative ist der Schnelltest an lebenden Bienen mit Puderzucker, der in wenigen Minuten das Befallsergebnis zeigt. Fragen Sie hierzu Ihren Beratungsdienst.
Grundsätzlich muss im Sommer unmittelbar nach der letzten Tracht mit Ameisensäure (spätestens Ende Juli) oder Thymol (spätestens Mitte Juli) gründlich behandelt werden, um die Winterbienenbrut vor Varroabefall zu schützen. Eine „Restentmilbung“ im Spätherbst oder Winter wird generell dringend empfohlen.

Frühjahr

Entnahme der Drohnenbrut
Baurahmen ans Brutnest hängen, nie an den Rand der Zarge! Bei zweizargigen Völkern in die obere Zarge. Drohnenbrut des Baurahmens niemals schlüpfen lassen!

Drohnenbrut als Varroafalle nutzen und Völker vermehren

Die Entnahme von verdeckelten Drohnenwaben im Frühjahr bremst die Befallsentwicklung bis zum Sommer. Schon wenige entfernte Milben können Schäden im Herbst verhindern.

Auch die Entnahme von Arbeiterinnenbrut im Frühjahr senkt den Milbenbefall und wirkt schwarmvorbeugend im Wirtschaftsvolk.

Aufbau der Jungvölker: Bienenbesetzte Waben mit 15% Milchsäure einsprühen.

Beim Aufbau der Jungvölker mit gedeckelten Brutwaben sollte die brutfreie Zeit in der Startphase (3 Wochen nach Bildung) unbedingt zur Varroabehandlung genutzt werden. Bienenbesetzte Waben mit Milchsäure 15% ad us. vet. einsprühen!

Spätsommer

Nach Trachtende zweimal mit Ameisensäure 60% ad us. vet. behandeln oder Dauerbehandlung mit einem Thymolpräparat über mindestens 6 Wochen. Ameisensäure wirkt sofort und tötet auch viele Milben in der verdeckelten Brut. Die Wirkung von Thymol setzt dagegen langsam ein. Die gefährlichen »Brutmilben« werden erst erreicht, wenn sie mit der Brut schlüpfen. Zudem kann während der Thymolbehandlung nicht gefüttert werden und eine Beurteilung des Behandlungserfolges mit Bodeneinlagen ist nicht möglich.

Für eine rasche Entmilbung - besonders bei hohem Varroabefall
- ist Ameisensäure besser geeignet.

Varroa-Behandlung mit Ameisensäure
• Erste Behandlung vor der Auffütterung: Beginn bis spätestens 31. Juli (außer bei Spättracht)

• Zweite Behandlung nach der Auffütterung bis 31. August

Die Behandlung mit Ameisensäure kann bei den Wirtschaftsvölkern leicht in die Spätsommerpflege integriert werden:

Volksgröße (Zander/ DN) 1. Behandlung Juli 2. Behandlung August Erwünschte Verdunstungsmenge pro Tag
1-Zargen-Völker 90 ml 140 ml 20-25 ml
2-Zargen-Völker 140 ml 200 ml 30-40 ml

Dochtgrößen Liebig-Dispenser, 60% ad. us. vet.: Diese sollten so angepasst werden, dass die erwünschte tägliche Verdunstungsmenge möglichst oft erreicht wird. Richtwerte für Tageshöchsttemperaturen zwischen 20 und 30 °C: 1-Zargen-Völker: Dochtgröße auf ¾ reduziert 2-Zargen-Völker: volle Dochtgröße

Liebig-Dispenser (LD)
Liebig-Dispenser (LD)
Nassenheider Verdunster professional
Nassenheider Verdunster professional

Dochtgröße für den LD (links) so anpassen, dass die erwünschte Verdunstungsmenge pro Tag gewährleistet ist. Für beide gilt: Für sicheren Stand vor dem Einsetzen Wachsbrücken auf den Rähmchen entfernen. Diese Angaben gelten für Holz-Magazinbeuten im Zander-, Deutschnormal- und Langstrothmaß. Abstand zwischen Verdunstungsfläche und Brut, z.B. durch Fütterung oder Umhängen der Brutwaben, beugt Brutschäden vor.

In Ausnahmefällen bei ungünstigen Standortbedingungen kann im Rahmen des Therapienotstandes Ameisensäure 85% in DAB-Qualität eingesetzt werden (Rezept des Tierarztes erforderlich, Bezug über Apotheken, siehe www.bienenkunde.uni-hohenheim.de).

Behandlung mit Thymol
Die Behandlung mit Thymol dauert 6 Wochen. Die Dosierung erfolgt nach dem
Prinzip »1+1«. Nach zwei Wochen die zweite Dosis zur ersten geben!

Verschiedene thymolhaltige Arzneimittel wie z. B. Thymovar® und ApiLifeVar® sind erhältlich. Vorsicht: Versuche haben gezeigt, dass eine Behandlungsdauer von 4 Wochen für eine gute Wirkung meist nicht ausreicht. Ansonsten immer Gebrauchsanweisung beachten.

Spätherbst oder Winter

Die Restentmilbung

Nur brutfreie Völker behandeln! Eine Anwendung genügt. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wann der richtige Zeitpunkt ist, hören Sie unserenAnsagedienst ab oder fragen Sie uns! Die Bruttemperaturfühler in den Stockwaagen des Trachtmeldedienstes bieten eine grobe Orientierung über die Bruttätigkeit der Völker in verschiedenen Regionen und Höhenlagen: www.badische-imker.de oder www.lvwi.de.

In jede besetzte Wabengasse der Wintertraube muss geträufelt werden!
In jede besetzte Wabengasse der Wintertraube muss geträufelt werden!

Oxalsäure:
Nach Gebrauchsanweisung der zugelassenen Präparate, z.B. von Oxuvar® oder Oxalsäuredihydrat 3,5% (m/V) ad us.vet.® Oxalsäure wirkt über Kontakt und daher umso besser, je enger die Völker sitzen. Am besten die eng sitzende Wintertraube bei Temperaturen unter 5°C beträufeln! Das Öffnen der Völker bei Frost schadet nicht.
Alle Behandlungen sind nur nach der letzten Tracht zulässig!

Gemeisam und flächendeckend durchgeführte Sommerbehandlungen verringern den Milbeneintrag aus anderen Völkern. Der Milbenabfall bei der Winterbehandlung ist dann meist niedrig.
Gemeisam und flächendeckend durchgeführte Sommerbehandlungen verringern den Milbeneintrag aus anderen Völkern. Der Milbenabfall bei der Winterbehandlung ist dann meist niedrig.

Empfehlungen zur Arbeitssicherheit beachten: Beim Umgang mit organischen Säuren unbedingt Schutzkleidung tragen. Wasser und Seife für den Notfall bereitstellen. Auch Thymol nur mit Schutzhandschuhen anfassen.Warnhinweise gemäß Packungsbeilage der Arzneimittel beachten!

Landesanstalt für Bienenkunde, Universität Hohenheim im März 2013