Einblicke in die 140-jährige Vereinsgeschichte der Bienenzüchter

Von Alfred Jenter

„Ohne Bienen wäre die Welt farblos und trist. Die Blütenbestäuber sorgen für schöne Blütenmeere und produzieren nebenbei wertvollen und köstlichen Honig. Honigbienen erbringen durch ihre Bestäubungsleistung einen unschätzbaren Beitrag für die Artenvielfalt und den Naturhaushalt. In der Landwirtschaft helfen sie Ernten zu sichern und Erträge zu steigern. Da liegt es nahe, von Menschenhand die Existenz der Honigbienen zu sichern, zu fördern und ihren Lebensraum zu optimieren“. So schreibt der Imkerverein Balingen – Geislingen - Rosenfeld auf seiner Homepage zum Bienenlehrpfad im Naherholungsgebiet „Schlackenhalde“ bei Weilstetten im Zollernalbkreis.


Vor 140 Jahren wurde für das Oberamt Balingen ein Bienenzüchterverein gegründet. Die Aufschriebe in Sütterlinschrift, über die Gründung des Vereins sind fast vergilbt. Es war Sonntag, der 02. April 1876, im Gasthaus Lamm in Lautlingen, wo der Verein als Sektion vom Landwirtschaftlichen Bezirksverein aus der Taufe gehoben wurde. Lehrer Paul Stehle von Lautlingen leitete die Gründungsversammlung, formulierte die ersten Statuten und wurde anschließend zum Vorstand gewählt. Ausschussmitglieder wurden Carl Groz, Kaufmann, Ebingen; Schultheiß Wilhelm Hauser, Frommern; Bienen- und Obstbaumzüchter J.J. Herre, Zillhausen; Schullehrer Mattes, Bitz und Oberlehrer Hauser, Ebingen.


Die Vereinsprotokolle zeigen wie unter politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen unseres Landes auch die Entwicklung der Bienenhaltung in 140 Jahren beeinflusst wurde. Zwei Weltkriege, Inflationen, Arbeitslosigkeit und Währungsumstellungen mussten überwunden werden. Die Bienenhaltung ist vom Wetter abhängig und gehört zur Landwirtschaft. Nicht jedes Jahr ist ein gutes Honigjahr. Trotz fortwährender Bedrohung haben sich die Honigbienen seit mindestens 25 Millionen Jahren erhalten. Die Honigbiene ist neben Rind und Schwein eines der drei wichtigsten landwirtschaftlichen Nutztiere.


Das Vereinsgebiet umfasst das gesamte Oberamt Balingen

Die Gründung des Bienenzüchtervereins für das Oberamt Balingen erfolgte zu einer Zeit, wo die Umstellung von der Imkerei mit Strohkörben auf Holzkästen voll im Gange war. Die Bienen bauen aus körpereigenem Wachs ihr Nest mit sechseckigen Zellen, die für den Nachwuchs als Wiege und als Vorratsspeicher für Blütenpollen, Nektar- und Honigeintrag dienen. In den geflochtenen Strohkörben hatten die Bienen ihre Waben an der Decke und den Seitenwänden angebaut, das wird Stabilbau genannt. Bei der Honigernte mussten im Stabilbau die Wabenteile, die Honig enthielten, herausgeschnitten oder herausgebrochen werden.


Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte Pfarrer Dr. Johannes Dzierzon in Oberschlesien mit Stäbchen und Leitwachsstreifen den „Mobilbau“, das sind an Stäbchen gebaute Waben. Für das Bienenhaus baute er stapelbare Beuten mit Hinterbehandlung; Kästen aus Holz, die von hinten zugänglich sind. Baron August von Berlepsch machte 1853 aus den Stäbchen für die Ausrichtung des Wabenbaues im Bienenstock die Rähmchen. Beide Entwicklungen ermöglichen das Umhängen des Wabenbaues innerhalb der Bienenwohnung. Die Holzkästen lösten die Strohkörbe als Bienenwohnung ab. Pfarrer Dr. Dzierzon und Baron von Berlepsch waren bedeutende Pioniere für die Bienenhaltung, haben mehrere Lehrbücher geschrieben und auf Wanderversammlungen viele Vorträge gehalten. Doch nur langsam sind die Bienenhalter der Umstellung vom Stabilbau zum Mobilbau gefolgt.


Bei der Vereinsgründung war das Oberamt 322 km² groß, hatte 31 Gemeinden mit knapp 35.000 Einwohnern. Der tiefste Punkt des Oberamts lag mit 459 m über N.N. bei der Mühle in Engstlatt und der höchste mit 987 m über N.N. auf dem Weichenwang bei Meßstetten. Ein Höhenunterschied von 528 m, der im oberen und unteren Bezirk des Vereinsgebietes klimabedingt oft zu unterschiedlichen Honigerträgen führt. Von Balingen wurde damals berichtet, dass die Bienenzucht wegen der Frühlingsfröste nicht mit Glück betrieben wird (1). Zur Gründungszeit wurden im Oberamt Balingen 1.710 Bienenvölker gezählt (2). Es waren also bereits Bienenzüchter da. Diese zusammenzuführen, damit durch Weiterbildung und den gemeinsamen Erfahrungsaustausch die Bienenzucht im Oberamt verbessert und gehoben wird, war das Ziel der Männer der ersten Stunde.


Von Anfang an war der Bienenzüchterverein aktiv und suchte Verbindungen über die Oberamtsgrenzen hinaus. Als Vereinsblatt wurde in den Anfangsjahren der „Spaichinger Bienenbote“ gelesen. Bald schloss man sich dem 1880 gegründeten Württembergischen Landesverein für Bienenzucht an (Protokolle 1880 – 1890 fehlen). Die Tagungen und Ausstellungen des Landesvereins wurden regelmäßig von Delegierten besucht, die über die dortigen Erkenntnisse in den Mitgliederversammlungen berichteten. Nach 25 Jahren wurde 1901 unter Schultheiß Ludwig Jetter, Frommern, eine neue umfangreichere Satzung beschlossen. Die Mitglieder des Bienenzüchtervereins waren wie bisher Mitglied beim Landwirtschaftlichen Bezirksverein im Oberamt Balingen.


Lehrer informierten und motivierten die Imker

Etliche Jahrzehnte waren es Lehrer, die bei den Versammlungen im Frühjahr und Herbst die Mitglieder mit verschiedenen Themen zur Bienenhaltung informierten und motivierten. Da in den Gemeinden immer nur wenige Imker das Handwerk der Bienenhaltung betrieben, war die Zusammenfassung auf Bezirksebene sinnvoll. Man war aber auch noch nicht so mobil wie heute. Deshalb wurden in den ersten Jahrzehnten die Versammlungsorte so gewählt, dass sie möglichst mit der Eisenbahn erreicht werden konnten.


Das Lamm in Lautlingen war die ersten 15 Jahre ein beliebter Versammlungsort. Das Gebäude steht heute noch in der Ortsmitte von Lautlingen; wird aber seit einigen Jahrzehnten nicht mehr als Gaststätte genutzt. Zum Besuch der Versammlungen waren neben den Vortragsrednern die fast regelmäßig stattfindenden „Gratisverlosungen“ ein starker Anreiz. Auch wurden Honiglotterien veranstaltet, die Geld in die leere Vereinskasse brachten. Nach Erhebungen des Stat. Landesamtes wurden 1893 im Oberamt Balingen 1.835 Bienenvölker gezählt. Davon waren 1.083 oder knapp 60% auf beweglichen Waben. 1912 sah das anders aus. Es gab 2.245 Völker auf beweglichem und nur noch 279 (11%) auf unbeweglichem Bau (3).


Der erste Weltkrieg brachte einen großen Rückschlag.

Viele Imker mussten an die Front. Die Zahl der Mitglieder und der Bienenvölker ging deutlich zurück. Während des Krieges haben bis 1917 keine Versammlungen stattgefunden. Von den Soldaten kehrten viele nicht mehr in die Heimat zurück. 1919 haben sich die Bienenzüchter vom landwirtschaftlichen Bezirksverein getrennt und sich selbständig gemacht. Die Honigernte 1919 ist ganz ausgefallen. Die Natur lieferte keinen oder nur wenig Nektar und Honigtau. Die Bienenvölker mussten deshalb schon im Sommer gefüttert werden. Durch den Krieg war der Futterzucker immer noch rationiert. Für 1920 gab es z.B. nur 3 Pfund Zucker pro Bienenvolk. „Folgt kein gutes Honigjahr, so haben wir den Ruin der Bienenzucht“, klagte Vorstand Ernst Loos bei der Frühjahrsversammlung. Der Jahresbeitrag betrug 5,00 Mark. Darin war eine Haftpflichtversicherung eingeschlossen. Wegen häufiger Faulbrutfälle wurde von der Regierung eine gesetzliche Regelung erwartet. Faulbrut ist eine ansteckende Erkrankung der Bienenbrut mit seuchenhaftem Charakter, die weltweit verbreitet und anzeigepflichtig ist.


Erst 1922 wurde die durch den Krieg eingeführte Zuckerbewirtschaftung aufgehoben. In der Inflationszeit betrug der Jahresbeitrag für die Vereinsmitglieder einhundert Mark. Für 1922 wurde eine Nachzahlung von 30 Mark verlangt. Die kurzfristig eingeführte Rentenmark wurde 1924 durch die Reichsmark ersetzt. Am 22.10.1926 wurde der Bienenzüchterverein beim Amtsgericht Balingen ins Vereinsregister eingetragen. Vereinssitz war Balingen. Als Vorstand war Hans Weinheimer, Kaufmann, Ebingen; als Kassier Christian König, Werkführer, Ebingen und als Schriftführer war Sparkassendirektor Ludwig Jetter, Balingen, eingetragen.


Wegen schlechter Honigernte wurde das 50-jährige Jubiläum verschoben

1926 konnte der Verein auf sein 50-jähriges Bestehen zurückblicken. Doch im Jubiläumsjahr blieben die Honigtöpfe leer. Man hoffte, dass das kommende Jahr besser würde. Da war Gelegenheit, das Jubiläum zusammen mit dem Landwirtschaftlichen Bezirksfest am 24. und 25. September 1927 in Ebingen zu feiern. Verbunden war damit die Ausstellung von Erzeugnissen der Landwirtschaft, des Obstbaus und der Bienenzucht. Es gab eine Festschrift. Darin berichtet Vorstand Hans Weinheimer u.a.: „Die Zahl der Mitglieder aus der Gründerzeit ist nicht bekannt. . . Wie aus den Protokollen der Anfangsjahre ersichtlich ist, wurden damals schon wertvolle Vorträge gehalten. . . Das natürliche Bienenfutter kann nur der Honig sein. In schlechten Jahren wurden Kandis, Brei aus Mehl und Zucker, sogar Milch und Eier gereicht“ (4). Bei der Jubiläumsausstellung zeigten die Imker in der Turnhalle in Ebingen sämtliche Geräte, die zur Bienenzucht gehören: Waben, ganze Bienenvölker, viele aufwändig hergestellte Arbeiten aus Bienenwachs und Schautafeln zur Veranschaulichung der Bienenzucht (5). Beim Festzug durch die Stadt war ein Bienenwagen dabei. Die Imker verteilten an die Zuschauer 500 Honigbrötchen. Oberlehrer Jakob Elsäßer, ein gebürtiger Engstlatter, Erfinder der Schwäbischen Lagerbeute mit Hochwaben, eine andere Form der Bienenwohnung, Schöpfer verschiedener Beuten, Herausgeber des Taschenkalenders für Bienenzucht, Obst- und Gartenbau, überbrachte vom Landesverein die Glückwünsche und eine Ehrenurkunde mit goldener Medaille.


Ebinger Schlossfelsenturm in der Stuttgarter Gewerbehalle ein Anziehungspunkt

1930 konnte der Württ. Landesverein sein 50-jähriges Jubiläum feiern. Mit dem Jubiläumsfest war der Landesverein in Stuttgart Gastgeber für den Deutschen Imkertag und für die 68. Wanderversammlung der Bienenwirte deutscher Zunge. Bei dieser Großveranstaltung unterstützten die Bienenzüchter vom Oberamt Balingen den Landesverein. Louis Leonhardt, Laufen, schon mehrfach hatte er für den Verein seine Kreativität und Ausstellungskunst bewiesen, setzte mit dem „Ebinger Schlossfelsenturm“ einen Glanzpunkt in der Stuttgarter Gewerbehalle. Auf einem wuchtigen Sockel aus Wachs, schlank zur Höhe strebend, mit lauter Honiggläsern ausgefüllt, hatte Leonhardt den Schlossfelsenturm aufgebaut. Rastlos schwebte um diesen das Flugzeug des Ebinger Fliegers Anton Riediger. Das war für die vielen Besucher in der Stuttgarter Gewerbehalle ein starker Anziehungspunkt und wurde von der Jury mit der goldenen Jubiläumsmedaille, einer silbernen Preismünze vom Deutschen Imkerbund und einem Geldpreis von 100 Mark ausgezeichnet.


Das Dritte Reich nimmt Einfluss auf Vereinstätigkeit und Bienenhaltung

Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten kam 1933 die Gleichschaltung der Vereine. Es ging um die Vereinheitlichung des gesamten gesellschaftlichen und politischen Lebens. Die Landes-, Kreis und Ortsfachgruppen, soweit sie ins Vereinsregister eingetragen waren, mussten eine Löschung beantragen. Die Zusammensetzung des Vorstandes musste von der Landwirtschaftskammer genehmigt werden. Die Reichsfachgruppe, als eingetragener Verein, hatte für die nachfolgenden Gliederungen die Führungsaufgaben übernommen. Der Verein zählte 198 Mitglieder.


Die Landwirtschaftskammer Stuttgart hatte dem Verein eine „Reichshilfe für Not leidende Imker“ in Höhe von 185 Mark angeboten. Es mussten Verteilungsvorschläge mit Begründung der Bedürftigkeit eingereicht werden. Die Ortsvertrauensmänner meldeten dem Vorstand auf Grund ihrer Ortskenntnis bedürftige Imker. Kinderreiche Familien, Kurzarbeit, Arbeitslosigkeit, lange Krankheit und schlechter Geschäftsgang waren Grund genug, dass die „Reichshilfe“ an 12 Mitglieder in 9 Gemeinden des Oberamts verteilt werden konnte.


Bei der Frühjahrsversammlung 1934 im Wachtelsaal in Ebingen wurden die Teilnehmer mit einer Rundfunksendung über die „Imkerei“ überrascht. Es ging um Bienenweide, Blütenbestäubung, Königinnenzucht, Honighandel und Honigpreis, steuerfreien Zucker, Seuchenbekämpfung und Bienensachverständige. Die Sendung wurde begeistert und mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen. Wenn es Honig gab, wie zum Beispiel im Sommer 1934, dann führte das, in den Gemeinden wo reichlich Honig geerntet werden konnte, zu Schleuderpreisen. Das erregte im Verein heftige Kritik und verursachte Ärger unter den Mitgliedern. Einmal war die Ernte im oberen Bezirk besser, das andere Mal im unteren Bezirk.


Vierjahresplan, Auslese bei Königinnenzucht, Wanderung in Trachtgebiete

1936 hatte Hitler einen Vierjahresplan aufgestellt, der sich auch auf die Imkerei auswirkte: „Jeder Imker soll ein Bienenvolk mehr halten“. In der hiesigen Tageszeitung „Der Wille“, nat.-soz. Kreisamtsblatt, wurden die Imker mit wenigen Bienenvölkern aufgefordert, ihre Imkerei „von drei auf zehn Bienenvölker aufzustocken“ (6). Unwirtschaftliche Betriebe sollten so gestaltet werden, dass sie wirklich Nutzen bringen. Der Einfluss der Reichsregierung auf die Bienenhaltung wurde immer stärker. Die Referenten der Reichsfachgruppe empfahlen nur starke Völker einzuwintern und bei der Königinnenzucht Auslese zu treffen. Die Wanderung in Trachtgebiete wurde propagiert. Damit sollte der Bedarf an Honig und Wachs für das Vaterland sichergestellt werden. Vom Frühjahr bis zum Herbst 1936 hatten die Kreisimker durch diese Aktion die Zahl der Bienenvölker um 480 auf 3.065 gesteigert. „Wenn 1937 das Wetter mithilft, dann kann die Forderung des Vierjahresplanes erfüllt werden“, freute sich der Vorstand.


Louis Leonhardt berichtete, dass er mehrere Jahre mit 40 Bienenvölkern nach Unterglashütte in die Esparsettentracht gewandert sei. Neben Fehl- und Mittelernten habe er einmal „in sechs Tagen 12 Zentner goldgelben Esparsettenhonig“ geerntet. Neid und Missgunst habe er dabei von den ortsansässigen Imkern erfahren müssen. Die Reichsfachgruppe propagierte 1938, dass die Wanderung mit Bienenvölkern in Trachtgebiete einen bemerkenswerten Aufschwung gebracht habe. Sie sei jetzt mit einer Wanderordnung nach einheitlichen Richtlinien geregelt.


Der Beutenvielfalt wird mit Einheitsbeuten begegnet

Weil die Bienenwohnungen in vielen Größen und Maßen mit unterschiedlichen Betriebsweisen auf dem Markt waren, wurden Einheitsbeuten eingeführt. Die Imker wurden aufgefordert, nur noch die Einheitsbeuten zu verwenden.


Bei der Herbstversammlung 1937 wurde von Faulbrut und in einem größeren Teil des Kreises vom Befall der Bienenvölker mit der Nosema-Seuche, einer Darmseuche, berichtet. In manchen Gegenden hatte die Nosema-Seuche unter den Bienenvölkern gewaltig aufgeräumt. Viele Stände waren völlig entvölkert. Auch die Honigernte war schwach ausgefallen.


Der Ertrag aus der Imkerei ist wetterabhängig

An der Imkertagung am 29. Mai 1938 im Hotel Roller in Balingen beteiligten sich neben Balingen auch die Ortsfachgruppen Schömberg, Hechingen und Steinlachtal. Der Vorsitzende, Oberlehrer Rentschler, von der Landesfachgruppe kam bei seinem Vortrag zu folgendem Ergebnis: „Da in unserer Gegend die Bienenzucht als Haupterwerb nicht in Frage kommt und ein Ertrag aus der Bienenzucht vor allen Dingen von der Witterung abhängig ist, ist es unbedingt wichtig, zur richtigen Zeit die Völker auf der Höhe zu haben, denn starke Völker nach der Tracht haben keinen Wert mehr. Königinnenzucht ist notwendig. Verbesserung der Bienenweide ebenso. Überaus wichtig ist das Wandern mit Bienenvölkern. Dadurch können mehrere Trachten ausgenutzt werden. Die Forderung des Vierjahresplanes, den Bedarf an Honig und Wachs durch Selbsterzeugung sicherzustellen, gebe dem Bienenzüchter im Wirtschaftsleben eine ganz andere Stellung als früher. Die Bienenzucht ist nicht Liebhaberei, wie früher allgemein angenommen wurde, sondern wirtschaftliche Notwendigkeit. Die vermehrte Anpflanzung von Obstbäumen ist ein dringendes Gebot. Durch die Anpflanzung von Ahorn, Linde und Ulmen an den Waldrändern wird die Bienenweide stark verbessert“, so Vorsitzender Rentschler von der Landesfachgruppe.


Grösseres Vereinsgebiet durch Kreisreform

Durch die Württembergische Kreisreform entstand 1938 aus dem ehemaligen Oberamt Balingen der neue Kreis Balingen mit 47 Gemeinden und einem Flächenraum von 442 km². Dem neuen Kreis wurden die Gemeinden Ratshausen und Weilen u. d. R. aus dem Nachbaroberamt Spaichingen; Bickelsberg, Binsdorf, Brittheim, Isingen, Leidringen und Rosenfeld vom OA. Sulz; Dautmergen, Dormettingen, Dotternhausen, Hausen a.T., Roßwangen, Schömberg, Täbingen und Zimmern u.d.B. aus dem Oberamt Rottweil angegliedert. Das Kreisgebiet wurde um über 1/3 größer. Auch für den Bienenzüchterverein vergrößerte sich das Vereinsgebiet. Es stieg die Zahl der Mitglieder.


Um Missstände auszuräumen wurde eine Standbegehung angeordnet

Von der Reichsfachgruppe wurde 1939 im Rahmen des Vierjahresplanes eine Standbegehung angeordnet. Die Imker sollten damit nicht unter Aufsicht gestellt werden. Sie sollten dabei Rat und Tat erhalten. Missstände sollten weggeräumt werden. Alle Vorteile, die auf einem anderen Stand gefunden werden, sollten der Allgemeinheit zugänglich gemacht werden. Dabei war auf den Gesundheitszustand der Völker und die Beschaffenheit der Bienenwohnungen zu achten. Bis im April 1941 wurden so im neuen Kreis Balingen 420 Bienenstände besichtigt.


Für die Frühjahrsfütterung 1940 erhielten die Imker pro Volk 3 Pfund Zucker. Der Zucker war eingefärbt, vergällt, und durfte nur als Bienenfutter verwendet werden. Zur Verbesserung der Bienenweide erhielt jeder Imker kostenlos eine Weide als Pflanzgut. Im August kam die Forderung, dass 3 kg Honig pro Volk abzuliefern sind. Das konnte nicht erfüllt werden. 1941 wurde der Bahnverkehr immer mehr eingeschränkt. Die Lebensmittel wurden knapper. Für die Mitglieder war es schwieriger an den Versammlungen teilzunehmen. Deshalb wurden die Versammlungen geteilt, eine in Balingen und eine in Ebingen. Durch die Nosemaseuche sind im Kreis Balingen 500 Bienenvölker verloren gegangen. Für Lazarette, Krankenhäuser, werdende Mütter und Minderbemittelte haben die Mitglieder des Kreises 1.180 kg Honig abgeliefert. Das vorgeschriebene Quantum von 2 kg Honig pro Volk konnte trotzdem nicht erfüllt werden.


Imker klagen gegen Obstbauern

Dass Imker auch den Obstbauern gegenüber nicht immer grün waren, zeigt eine Schadenersatzforderung von drei Imkern gegen die Gemeinde Schömberg. Geklagt wurde wegen dem Verlust von 210 Bienenvölkern im April 1940 in Schömberg, Weilen u.d.R., Ratshausen und Hausen a.T. Die Imker hatten vorgebracht, dass die Bienenvölker durch unsachgemäßes Spritzen der Obstbäume mit Karbolineum vernichtet wurden. Der Streit dauerte bis 1944, als das Landgericht Rottweil die Klage abwies und die Kläger die Kosten des Rechtsstreits bezahlen mussten. Nach den vorliegenden Gutachten war der Schaden durch die Nosemaseuche entstanden (7).


Der Krieg erfasst alles und alle – die Imker erhalten 60 g Tabak pro Bienenvolk

Bei der Frühjahrsversammlung 1942 hatte der Verein 385 Mitglieder. Davon waren 81 Mitglieder zum Heeresdienst eingezogen. Diese erhielten Beitragsbefreiung. Nach vielen Fehljahren brachte 1942 eine gute Honigernte. Die Kreisfachgruppe konnte 114 Zentner Honig abliefern. „Wenn das vorgeschriebene Soll nicht abgeliefert wird, gibt es keinen Zucker zur Einfütterung“ so die Nachricht von der Reichsfachgruppe.

1943 erhielten die Imker erstmalig 60 g Tabak pro Volk für Rauch als Beruhigungsmittel bei der Arbeit an den Bienenvölkern. „Unter dem Gesichtspunkt: der Krieg erfasst alles und alle, kann nur noch alles betrachtet werden“, so der Vorsitzende der Landesfachgruppe, Oberlehrer Rentschler aus Stuttgart, bei seinem Vortrag am 18. April 1943 über die Imkerei in der Kriegszeit. „Die Nosema-Krankheit muss mit allen Mitteln bekämpft werden. Die Gewinnung von Honig und Wachs ist der kleinere Nutzen. Die Bestäubung und Befruchtung der Blüten- und Obstbäume sowie der Beerensträucher durch die Bienen hat zehnfachen Wert“, sagte der Landesvorsitzende.


Wegen Fliegeralarm muss der Schriftführer die Versammlung verlassen

Nach über 4 ½ Jahren Krieg war die Frühjahrsversammlung am 23. April 1944 im Wachtelsaal in Ebingen nur mässig besucht. Rund 120 Mitglieder waren bei den Soldaten im Krieg. Züge fuhren nur noch wenige. Der Auto- und Omnibusverkehr lag beinahe ganz lahm. Die immer mehr zunehmenden Fliegeralarme erschwerten den Besuch der Versammlungen. Das Ablieferungssoll zur Erfüllung des Vierjahresplanes konnte wiederum nicht erfüllt werden. Wegen Fliegeralarm musste der Schriftführer als „Werkluftschutzleiter“ die Versammlung verlassen. In den letzten Monaten des Krieges scheint die Vereinstätigkeit ganz geruht zu haben.

 

Der Verein nach dem zweiten Weltkrieg

Das Lamm in Lautlingen in den 1950er-Jahren | Foto: Archiv Jenter
Das Lamm in Lautlingen in den 1950er-Jahren | Foto: Archiv Jenter

Der Krieg ist aus – das Vereinsgebiet gehört zur französischen Besatzungszone
Mit dem Einmarsch französischer Truppen im Kreis Balingen endeten in unserer Region im April 1945 der zweite Weltkrieg und damit das Dritte Reich. Wir gehörten zur französischen Besatzungszone. Das Vereinsleben musste neu aufgebaut werden. Im Dezember 1945 forderte die französische Militärregierung eine Neuorganisation der Bienenzüchter. In den 47 Gemeinden des Kreises Balingen hatte der Bezirksimkerverein 423 Mitglieder. Die Militärregierung verlangte deshalb eine Teilung des Kreisvereins in drei Gruppen.

Im Juli 1946 wurde aus dem Kreisgebiet die Ablieferung von 500 Bienenvölkern samt Bienenwohnung und Bienenfutter als „Reparationsbienenvölker“ nach Frankreich verlangt. Die Reparationsvölker wurden im November 1946 in Balingen in 4 Waggons verladen. Imker, die ihrer Ablieferungspflicht nicht nachkamen, mussten sich in Rottweil verantworten. Sie wurden bestraft und mussten nachliefern. Als weitere Auflage für die Imker des Kreises kam am 25. November 1946 die Ablieferung von 180 kg Wachs. Für die Mitglieder und den Verein war die Abgabe der Bienenvölker ein schwerer Aderlass.

Im Winter 1946/47 gingen zudem rund 70 % der Bienenvölker verloren. Für die nach Frankreich abgelieferten Bienenvölker und das Wachs gab es eine Entschädigung, die am 19.10.1947 vom Verein in der Gaststätte Gambrinus in Balingen ausbezahlt wurde. Ein Volk der Klasse I wurde mit 48 Reichsmark; Völker der Klasse II mit 18 und für Klasse III wurden 8 Reichsmark bezahlt. Ein kg Reinwachs brachte vier Mark und ein kg Altwachs eine Mark. In Zillhausen wurde im August 1947 auf drei Ständen die bösartige Faulbrut festgestellt.

Die von der Militärregierung angeordnete Aufteilung des Kreisvereins wird vollzogen

Zur Aufteilung des im Kreis Balingen auf 47 Gemeinden verteilten Bezirksimkervereins waren mit dem französischen Gouverneur mehrere Abstimmungsgespräche und Schreiben notwendig. Der Verein musste 5 Imker, die nicht Mitglied in der NSDAP waren, namhaft machen. Die neue Satzung musste von der Militärregierung genehmigt werden. Am 07.04.1947 fand dann im Schwefelbad in Balingen eine Versammlung zur Aufteilung statt. Wegen Formfehlern war eine Widerholung notwendig. Diese erfolgte am 27.07.1947 unter Leitung des kommissarischen Kreisvorsitzenden, Louis Leonhardt, Laufen. Dabei wurde die Teilung auf die drei Bezirksvereine Balingen, Ebingen und Schömberg beschlossen.

Seither gehören vom Kreis Balingen 19 Städte, Gemeinden und Ortsteile zum Vereinsgebiet des Bezirksimkervereins Balingen. Das sind: Balingen, Endingen, Erzingen, Engstlatt, Frommern, Heselwangen, Ostdorf, Streichen, Weilstetten, Zillhausen, Tieringen, Geislingen, Binsdorf, Erlaheim, Rosenfeld, Bickelsberg, Brittheim, Isingen und Leidringen. Vorstand für den Bezirksimkerverein Balingen wurde Hans Maier, Balingen. Angaben zu Mitglieder- und Völkerzahlen unmittelbar nach der Aufteilung des Kreisvereins konnten leider nicht gefunden werden.

Futterzucker für Bienen ist bewirtschaftet

Der Bienenfutterzucker war wie schon im ersten Weltkrieg in den Kriegs- und Nachkriegsjahren bewirtschaftet. Die Organisation für die Belieferung der Vereinsmitglieder war Aufgabe des Imkervereins. Wenn die Imker Futterzucker haben wollten, mussten sie nach der Ernte Honig abliefern. Das Verhältnis war drei zu eins, auch zwei zu eins. Also für drei Pfund Zucker ein Pfund Honig. In der französischen Besatzungszone war die Zuckerversorgung mehr als unbefriedigend. Wenn bei den Mitgliedern Bienenvölker verhungerten war das für die Vereinsvorstände oft eine Zerreißprobe. Es gab wüste Beschimpfungen und unschöne Briefe. Erst ab 1953 besserte sich die Zuckerversorgung langsam. Es gab erstmals Herbstzucker ohne Steuer. Das kg für 0,94 DM ohne Steuer; 1,24 DM mit Steuer. Für ein Bienenvolk waren 5 kg Zucker steuerfrei. Nach den Bewirtschaftungsjahren wurden vom Verein Sammelbestellungen für Futterzucker organisiert und den Mitgliedern im Vereinsgebiet zugefahren. 1971 konnte eisenoxyd-vergällter und unvergällter Bienenfutterzucker in unbegrenzter Menge bestellt werden. 100 kg vergällter Zucker kosteten 70,- DM. Die gleiche Menge unvergällter Weißzucker kostete 113,90 DM.

Der Landesverein Südwürttemberg – Hohenzollern tagte zweimal in Balingen
Für den Verein war es eine Besonderheit, dass der Landesverein am 29.12.1948 im Schwefelbad in Balingen eine Imkertagung abhielt. Der Chronist berichtet von einem wahrscheinlich „einmaligen Ereignis“. Die meisten Vertreter aus den 66 Vereinen in Südwürttemberg - Hohenzollern waren gekommen. Bei der Tagung wurde vom Vertreter des Landwirtschaftsministeriums das Genossenschaftswesen vorgestellt. Die Vertreter der Ortsvereine haben die Gründung einer Imkergenossenschaft als verfrüht abgelehnt. Am 19.03.1950 tagte der Landesverein südwürttembergischer Imker nochmals in Balingen. Diesmal im Hotel Post.

Honig ist ein wertvolles Lebensmittel. 1949 mussten die Imker vom Kreis Balingen zur Versorgung der Krankenhäuser 390 kg Honig abliefern. Das Ernährungsamt rechnete diese Menge als Ausgleich für die Lieferung von Bienenfutterzucker an. Für das Pfund Honig bezahlte die Kreispflege DM 2,50. Weil das zu wenig war, zahlte der Verein seinen Mitgliedern als Ausgleich noch 1,00 DM dazu. Die Ablieferungsmenge verteilte sich auf den Balinger Verein mit 200 kg, den Ebinger mit 115 kg und den Schömberger Verein mit 75 kg.

Nach dem Krieg fand am Wochenende 30.09./01.10.1950 in Balingen das erste landwirtschaftliche Kreisfest statt. In drei Gruppen beteiligte sich der Kreisverein der Imker an dem Fest. Leonhard, Laufen, war mit einem Festwagen dabei. Maier, Balingen, und Hoch und Mildenberger, Dotternhausen – Dormettingen, hatten Imkereigeräte und Honig ausgestellt.

Der Verein wird 75 Jahre alt – für eine Jubiläumsfeier gibt es wenig Interesse
Weil für die Imker 1951 das 75-jährige Vereinsjubiläum anstand, hatte Kreisvorstand Louis Leonhardt für den 04.11.1951 eine Kreisausschusssitzung der Bezirke Balingen, Ebingen und Schömberg einberufen. Es kam nur knapp die Hälfte der Ausschussmitglieder. Das wurde als Desinteresse gewertet. Beraten und beschlossen werden konnte nichts. Der Ebinger Bezirksimkerverein rettete aber dann die Ehre und erinnerte im Rahmen des landwirtschaftlichen Kreisfestes in Ebingen am 20. / 21. September 1952 an das Jubiläum. Acht Imker des Ebinger Vereins stellten in einer schön aufgebauten Ausstellung Erzeugnisse und Zuchtgeräte von der Imkerei aus. Vom Bezirksverein Balingen wurden 16 Mitglieder für 40-jährige und 21 Mitglieder für 25-jährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Außer den Jubilaren sah man nur wenige Mitglieder vom Bezirksverein Balingen beim Kreisfest in Ebingen.

Süd- und Nordwürttembergische Landesvereine bilden einen Landesverband

In Sigmaringen hat die Vertreterversammlung des Landesvereins am 27.04.1952 den Zusammenschluß der Nord- und Südwürttembergischen Imker-Landesvereine beschlossen. Damit wurde der „Landesverband Württembergischer Imker e.V.“ gebildet.

Kreisvorsitzender Louis Leonhardt, Laufen, wird „Ehren – Imkermeister“ des DIB
Der Deutsche Imkerbund hat am 12.04.1953 bei der Landesverbandsversammlung in Feuerbach den Kreisvorsitzenden Louis Leonhardt, Laufen, für sein langjähriges, herausragendes und verdienstvolles Wirken für die Bienenzucht zum „Ehren – Imkermeister“ ernannt. Bei der Herbstversammlung 1953 hielt Oberlehrer Willhelm Möbus vom Landesverband einen Vortrag über das Wandern mit Bienenvölkern. Anfangs wurden die Bienenvölker mit dem Leiterwagen transportiert, dann kam die Zeit mit modernen Wanderwagen bis zum Lastwagen. Möbus sah die Wanderung in Trachtgebiete bienenwirtschaftlich notwendig. Seit Kriegsbeginn 1939 gab es im Herbst 1953 bei der Imkerversammlung nach 14 Jahren erstmals wieder eine Gratisverlosung.

Balinger und Ebinger Imkerverein arbeiten zusammen
Nach der Trennung des Kreisimkervereins haben der Balinger und der Ebinger Bezirksverein viele Jahre zusammengearbeitet. Die Frühjahrs- und Herbstversammlungen waren abwechselnd im oberen und unteren Bezirk. So konnte zweimal im Jahr ein Referent vom Landesverband kommen. Zum Besuch der Versammlungen wurden eine Zeitlang extra Omnibuslinien eingesetzt.

Bei der Herbstversammlung 1954 im Eintrachtsaal in Ebingen wurden Bienenverluste durch die „Maikäfer – Bekämpfungsaktion“ und in Tailfingen ein „sehr krasser Gewaltakt mit Unkrautspritzen“ beklagt. Referent Hinderhofer, 2. Vorsitzender vom Landesverband, befürchtete damals, dass die moderne Rationalisierung der Landwirtschaft in der Lage wäre, der Imkerei den Todesstoß zu versetzen. Zur Besichtigung von Hohenheim und der 1954 eingerichteten Imkerschule fuhren am 15.06.1956 vier Omnibusse mit 140 Imkern nach Stuttgart.

Vorstandswechsel: auf Hans Maier folgt Karl Lebold

Hans Maier, Balingen, war vom Juli 1947 bis April 1960 Vorsitzender. Er wurde durch Oberlehrer Karl Lebold aus Weilstetten abgelöst. Der 1961 in Stuttgart gegründeten Imkergenossenschaft sind vom Balinger Verein 28 Mitglieder beigetreten. Vorstand Karl Lebold hatte m Herbst 1963 zusammen mit den Vorstandsmitgliedern Johannes Moll, Günther Vögele und Rudolf Walter an 8 Abenden in den Kreisgemeinden die Imker besucht, um in Versammlungen mit den Imkern Kontakt zu bekommen und Tagesfragen zu besprechen. Dabei wurden Fachfilme gezeigt, die manche Anregungen gaben.

Neuer Vorstand: Rudolf Walter folgt auf Karl Lebold
Bei den im Frühjahr 1964 anstehenden Neuwahlen hatte sich Vorsitzender Karl Lebold für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung gestellt. Er war enttäuscht, weil 1962 von den 19 Ortsvereinen bei der Sammelbestellung für Futterzucker 10 Vereine einen anderen Lieferanten bevorzugten. Lebold hatte den Verein eine Wahlperiode, also 4 Jahre, geführt. Im Rößle in Frommern wurde am 05. April 1964 Polizeioberkommissar Rudolf Walter als Nachfolger von Lebold gewählt.

Die Tracheenmilbenseuche ist eine große Gefahr für die Imkerei
Schon während des Krieges und in den Nachkriegsjahren machte der Befall der Bienenvölker durch die „Tracheenmilbenseuche“ den Imkern viele Jahre große Sorgen. Die Seuche führt zu Atembehinderung und Flugunfähigkeit der Bienen. Sie wurde damals als „Bienenfeind Nr. 1“ bezeichnet. Die Wanderimker durften aus den Sperrgebieten nicht auswandern. Sie waren dadurch stark behindert. Ab 1953 wurde die Tracheenmilbe mit Räucherstreifen, die heute nicht mehr zugelassen sind, bekämpft. Dr. H. Sachs, Hohenheim, forderte 1956 alle Imker in den Sperrbezirken auf, die Bekämpfung konsequent durchzuführen, damit die Seuche ausgerottet würde. Trotzdem wurde im Mai 1964 in Balingen und Ostdorf die Tracheenmilbenseuche festgestellt. 1967 ist die Milbenseuche in den Gemeinden Ostdorf, Weilstetten, Leidringen und Rosenfeld erneut aufgetreten.

Imkerei mit Magazinbeuten im Vormarsch
Bei der Frühjahrsversammlung 1967 im Adler in Tieringen hielt Imkermeister Curth von der 1963 gegründeten Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim ein Referat über die „Magazinimkerei“. Das sind Bienenwohnungen aus stapelbaren Kisten, „Zargen“, wo die Rähmchen eingehängt werden und mit einem beweglichen Unterboden und Deckel verschlossen werden. Diese neue Betriebsweise mit den Magazinbeuten setzte sich langsam durch. Sie brachte Vorteile bei der Bearbeitung und der Wanderung mit den Bienenvölkern. Man konnte feststellen, dass die mit jungen Wissenschaftlern besetzte Landesanstalt im Land immer mehr Einfluss auf die imkerliche Praxis nahm. Der Imkerausflug 1968 führte u. a. zur Imkerschule in Hohenheim. Das Interesse galt der „Ideal-Großraumbeute“ und der „Ideal – Biene“, die von Prof. Dr. Steche als einfache und Erfolg versprechende Betriebsweise vorgestellt wurden.

Bienenverluste durch Schädlingsbekämpfung bei der Obstblüte

Die Imker in Weilstetten beklagten im Mai 1969 Bienenverluste durch Spritzmittel bei der Obstblüte. Vorstand Walter hatte deshalb die Obstbauern zu einem Gespräch eingeladen. Im Frühjahr des Folgejahres hielt Walter beim Obstbauverein in Weilstetten einen Vortrag über „Bienennutz und Pflanzenschutz“. Mit zwei vollbesetzten Omnibussen fuhren die Imker aus dem Kreisgebiet im August 1969 zum Imker - Weltkongress „Apimondia“ (Internationaler Verband der Bienenzüchter) nach München.

Wegen Sonntagsfahrverbot fällt die Herbstversammlung aus
Die Frühjahrsversammlung am 28.04.1973 fand im Württ. Hof in Balingen statt. Hier waren  Balinger Mitglieder wohl erstmals unter sich. Dabei hatten die älteren Mitglieder beantragt, die Herbstversammlung an einem Sonntagnachmittag zu machen. Doch diese musste wegen der Ölkrise und dem damit verbundenen Sonntagsfahrverbot ausfallen.

Kommunale Verwaltungsreform: neue Kreis- und Gemeindegrenzen
Bei der Gebiets- und Verwaltungsreform der 70er-Jahre wurde aus dem Altkreis Balingen, einem Großteil des ehemaligen hohenzollerischen Kreises Hechingen, einzelnen Gemeinden der Kreise Sigmaringen, Rottweil und Stockach der Zollernalbkreis mit einer Fläche von 918 km² gebildet. Das führte zu Zusammenschlüssen von Gemeinden und Städten, veränderte wiederum die Kreisgrenzen und führte zu veränderten Zuständigkeiten bei den Verwaltungen. Landauf/landab trifft das für das gesamte Vereinsgebiet des Landesverbandes Württ. Imker zu. Vielerorts wurde infolge dieser Kreis- und Gemeindereform bei den Imkervereinen eine Anpassung an die neuen Kreis- und Gemeindegrenzen erforderlich. Leider wollte diese Gebietsreform bei den Imkervereinen bisher niemand aufgreifen. Deshalb steht die Anpassung immer noch aus.

Verarmung der Blütenwelt – Waldsterben durch Luftverschmutzung

Die intensiviere und mechanisierte Bewirtschaftung der Felder in der Landwirtschaft nach dem Krieg, die Anwendung von chemischen Unkrautvernichtungsmitteln, die Saatgutreinigung, die frühere und häufigere Mahd der Wiesen, haben vielerorts zu einer Verarmung der Blütenwelt geführt, das von den Imkern mit großer Sorge um die Nahrungsquellen für ihre Bienenvölker kritisch verfolgt wird. Hinzu kamen seit 1970 in Süddeutschland die Meldungen über teilweise schwer erkrankte Tannenbestände. Als Hauptursache für das „Waldsterben“ wurde die Luftverunreinigung erkannt. Nach Schätzungen stammen in Baden–Württemberg im langjährigen Durchschnitt etwa 60 % des erzeugten Honigs aus dem Wald. Mit dem Honigertrag aus der Waldtracht steht und fällt in unserer Region die Imkerei.

Varroamilbe erreicht den Zollernalbkreis

Die Tracheenmilbe ist seit ein paar Jahren bei den hiesigen Imkereien nicht mehr auffällig. Dafür wurde 1977 in der Bundesrepublik erstmals im Taunusgebiet die „Varroamilbe“, gegenwärtig das schwerste Problem der Bienenhaltung, entdeckt. Im Zollernalbkreis wurde der Parasit erstmals 1980 in Rosenfeld gefunden. 1983 war die Stärke des Befalls noch unterschiedlich. Doch 1984 wurde auch der Zollernalbkreis zum Beobachtungsgebiet erklärt. Seitdem hat sich die Milbe ständig vermehrt und weltweit ausgebreitet. Die Varroamilbe parasitisiert sowohl in der Bienenbrut als auch auf den erwachsenen Bienen und trägt massenhaft Viren in die Bienenvölker. Sie hat schon zu massenhaften Völkerverlusten geführt.

Die Bieneninstitute haben Behandlungsmethoden zur Bekämpfung der Varroamilbe erarbeitet. Der Verein versucht laufend mit Vorträgen namhafter Referenten dazu beizutragen, dass die Imker die Milbe im Griff behalten. Die Imkerei ist mit der Varroamilbe zeitaufwändiger geworden. Wenn der Imker die Milbe nicht regelmäßig bekämpft, hat er innerhalb von 2 – 3 Jahren keine Bienenvölker mehr. Trotzdem haben Imker, die sich an die Empfehlungen der Bieneninstitute halten und in den Vereinen die Vorträge zur Varroabekämpfung besuchen, weniger oder gar keine Völkerverluste. Nur eine konsequente Varroadiagnose und ein angepasstes Behandlungskonzept führen zum Erfolg.

1985 wurde ein gutes Honigjahr. Neue Sorgen bereitete der Reaktorunfall am 26.04.1986 in Tschernobyl (Russland): „Wie wirken sich die bei uns festgestellten Strahlen auf die Honigqualität aus?“ Glücklicherweise zeigten die Untersuchungen in unserer Region von Blütenhonig keine überhöhten Werte.

Mitgliederverwaltung über EDV
In der Sitzung vom 14.02.1987 beschließt der Vorstand und Ausschuss, dass sich der Bezirksimkerverein Balingen zum nächstmöglichen Termin der vom Landesverband angestrebten EDV-Umstellung anschließt, worunter auch das Einzugsverfahren des Vereinsbeitrages fällt.

Rudolf Walter wird Vorsitzender vom Wahlkreis 7 und Mitglied im Landesvorstand

Am 20.02.1988 wird Rudolf Walter vom Landesverband zum Vorsitzenden des Wahlkreises 7 gewählt. Damit ist Walter Mitglied im Landesvorstand Württembergischer Imker e.V. Zum Wahlkreis 7 gehören 15 Bezirksimkervereine in den Landkreisen Reutlingen, Sigmaringen, Tübingen und Zollernalbkreis. Stellvertreter ist der Vorstand vom BV Schömberg, Guido Klaiber aus Schörzingen.

Neueintrag ins Vereinsregister

Wegen der Eintragung in das Vereinsregister wurde am 26.03.1988 in der Stadiongaststätte in Balingen eine neue Satzung beschlossen. Mit dieser neuen Satzung konnte der Verein nach der zwangweisen Löschung vom 19.07.1935 am 27.06.1988 wieder als „Bezirksimkerverein Balingen e.V.“ unter der Nummer 377 in das Vereinsregister eingetragen werden. 24 Jahre später folgte am 11.02.2012 eine neue Satzung, womit die Namensänderung in „Imkerverein Balingen | Geislingen | Rosenfeld e.V.“ verbunden ist. Damit sollen sich die Imker/innen aus dem Räumen Geislingen und Rosenfeld deutlicher in die Vereinsgemeinschaft eingebunden fühlen. Die neue Satzung wurde modernisiert.

Versuchsimkerei für wesensgemäße Bienenhaltung als Mitglied aufgenommen

Bei der Vorstandsitzung am 30.08.1988 wurde der Aufnahmeantrag von der „Vereinigung für wesensgemäße Bienenhaltung e.V.“, Rosenfeld, als Mitglied beim BV Balingen beraten und beschlossen. Ab 01.01.1990 wurde die Versuchsimkerei im Rosenfelder Tal als Mitglied aufgenommen. Für die Jahre 1988 bis 1992 gab es vom Land für die gemeldeten Bienenvölker eine Bestäubungsprämie von 5,00 DM pro Volk. Als Beauftragter für Bienenweide, Umwelt- und Naturschutz, wurde Dr. Eberhard Müller, Rosenfeld, gewählt. Am 31.03.1990 referierte Dr. Werner Ludwig vom Landratsamt über das Thema „Naturschutz und Imkerei“.

Pflanzaktionen am Geischberg in Erzingen und im Rosenfelder Tal
Im Januar 1991 haben 20 Männer an zwei Samstagen am Geischberg in Erzingen 800 Bienenweidepflanzen gesetzt. Es war eine gemeinsame Aktion vom Obst- und Gartenbauverein Erzingen, dem Balinger Imkerverein und dem Landratsamt. Im Herbst 1991 wurde bei der Fischermühle im Rosenfelder Tal eine solche Pflanzaktion mit 35 Freiwilligen durchgeführt. Veranstalter war der BV Balingen mit dem Bund für Natur- und Umweltschutz. Die Leitung hatte der Bienenweideobmann Dr. Eberhard Müller. Die Aktion war vorbereitet durch eine Vortragsreihe: „Bedeutung der Wildbienen im Naturhaushalt“ mit Dr. Klaus Westrich; „Bereicherung der Fauna durch Bienenweidepflanzen“ mit Dr. Marianne Bauer und „Sicherung einer intakten Naturlandschaft“ mit Dr. Werner Ludwig. Gepflanzt wurden über 400 Bäume und Büsche von 25 verschiedenen Arten.

Faulbrut auf 10 Bienenständen im Raum Balingen
In Ostdorf mussten 1991 wegen dem Ausbruch der „amerikanischen Faulbrut“ auf einem Stand 18 Bienenvölker und einige Ableger (Jungvölker) abgetötet werden. Bei Untersuchungen wurde auf weiteren 9 Bienenständen die Faulbrut festgestellt. (Balingen 3; Geislingen 1; Engstlatt 1; Ostdorf 5). Bei der Versammlung am 16.11.1991 in der Brücke in Endingen hielt Dr. Frank Neumann, Aulendorf, einen Vortrag über „Faulbrut und andere Bienenkrankheiten“.

Ehrenurkunde und Zinnbecher für langjährige Vorstandsmitglieder
Bei der Versammlung am 09.03.1992 im Gasthaus Brücke in Endingen fanden Neuwahlen statt. Rudolf Walter wurde als 1. Vorsitzender wiedergewählt. Wilhelm Nickol löste Stefan Dreher als 2. Vorsitzender ab. Dreher war 20 Jahre 2. Vorsitzender. Kassier wurde Helmut Weinmann. Weinmann wurde Nachfolger von Walter Bühler. Bühler war 19 Jahre Kassier. Mit Wolfgang Gess wurde auch ein neuer Schriftführer gewählt. Gess löste Günther Zeiss ab. Zeiss war 16 Jahre lang Schriftführer. Die ausscheidenden Vorstandsmitglieder erhielten eine Ehrenurkunde und einen Zinnbecher.

Honigspende für Kinderkrankenhäuser in St. Petersburg und Moskau
Mitglieder vom BV Balingen spendeten 112,5 kg Honig für russische Kinderkrankenhäuser in St. Petersburg und Moskau. (BV Balingen 50 kg; Siegfried Blumenschein, Geislingen, 25 kg; Fischermühle 25 kg und Andreas Gmoser, Geislingen, 12,5 kg).

Wahlkreisvorsitz an Guido Klaiber weitergereicht
Am 25.01.1992 gab Rudolf Walter den Wahlkreisvorsitz an Guido Klaiber, Schörzingen, ab. Walter Hengsteler stellte als Kassenprüfer fest: „Der Vorstandschaft kann eine sparsame, nahe zu „Geiz“ neigende Vereinsführung bestätigt werden“. Die Imkerei Fischermühle hatte ein Imkereibetriebshaus gebaut. Der BV Balingen besichtigte diese neue Einrichtung am 18.07.1992 mit 50 Personen. Das Jahr 1992 stand beim BV Balingen im Zeichen der Faulbrutbekämpfung. Erst im Juni 1994 konnten die Sperrbezirke aufgehoben werden.

Nach 31 Jahren gab Rudolf Walter den Vorsitz an Wilhelm Nickol weiter
Bei der Hauptversammlung am 28.01.1995 gab Rudolf Walter nach 31 Jahren aus gesundheitlichen Gründen als erster Vorsitzender das Amt ab. Nachfolger wurde Wilhelm Nickol, Rosenfeld, der bisherige zweite Vorsitzende. Im Sommer 1999 hatte der Imkerverein Balingen in Zusammenarbeit mit der Stadt zehn Wochen die Wanderausstellung „Faszinierende Bienenwelt“ vom Deutschen Imkerbund in der Zehntscheuer in Balingen präsentiert. Über 5.000 Besucher konnten registriert werden, viele davon haben Führungen in Anspruch genommen, darunter auch einige Schulklassen. Eine Studienreise führte vom 30.08. bis 03.09.2001 für 40 Teilnehmer in das Zentrum der Südheide, wo u.a. das Bieneninstitut in Celle und eine Korbimkerei besucht wurden.

Wilhelm Nickol gab das Amt als Vorstand an Paul Stickel weiter
Paul Stickel, ebenfalls ein Rosenfelder, folgte am 17. Februar 2002, als Vorsitzender für die Nachfolge von Wilhelm Nickol. Wilhelm Nickol wie auch Paul Stickel waren als Vorstände Imker, die dem Verein aus ihrer langjährigen praktischen Erfahrung mit der Bienenzucht gutes handwerkliches Können vermittelten.

Schreckgespenst „Kleiner Beutenkäfer“
Imkermeister Thomas Radetzki von der Lehr- und Versuchsimkerei Fischermühle in Rosenfeld war 2002 auf einer Studienreise bei Imkern in Amerika und hat dort die katastrophalen Auswirkungen des „kleinen Beutenkäfers“ kennen gelernt. Von ihm wurde eine „Bienenstockkäfer - Kampagne“ ins Leben gerufen. Radetzki forderte einen generellen Einfuhrstopp von Bienen nach Deutschland und in die EU. Inzwischen hat sich der Beutenkäfer anscheinend in Süditalien angesiedelt und etabliert. Er hat ein hohes Verbreitungspotential, vermehrt sich rasch. Die Larven fressen Gänge durch die Waben, fressen Honig, Pollen und tote Bienen, bevorzugt Brut und zerstört dabei die Waben. Die Gefahr geht nicht nur von Bienenimporten sondern auch von der Wandertätigkeit der Imker nach Italien aus. Noch ist der Käfer bei uns nicht angekommen.

Die Meldungen über das Bienensterben im Rheintal, Ende April 2008, erregte auch im Zollernalbkreis die Gemüter der Imker und führte zu heftigen Diskussionen. Im Ortenaukreis hatten 700 Imker 11.500 Bienenvölker verloren. Ursache: mit "Clothianidin" gebeiztes Maissaatgut, das gegen den Maiswurzbohrer eingesetzt wurde. Auch das im Erwerbsobstbau gegen den Feuerbrand eingesetzte Spritzmittel "Streptomycin" fordert die Imker zur Aufmerksamkeit und zum Gespräch mit den Landwirten und Obstbauern. Im Zollernalbkreis konnte damals kein Schaden nachgewiesen werden.

Veranlasst durch große Verluste an Bienenvölkern wurde 2004 ein „Bienenmonotoring“ - Projekt ins Leben gerufen, an dem sich bundesweit über 100 Imker beteiligen, die repräsentativ Daten von ihren Bienenvölkern zur Verfügung stellen. Die wissenschaftliche Betreuung und Auswertung der Daten leisten Mitarbeiter der Bieneninstitute. Die Landwirtschaftliche Untersuchungs- und Forschungsanstalt Speyer hat für Analysen eigens eine „Multimethode“ zum Nachweis für 258 verschiedene Pflanzenschutzstoffe von Saatgutbehandlungsmitteln mit geringsten Bestimmungsgrenzen entwickelt.

Mitgliederentwicklung wieder im Aufwärtstrend
Die Zahl der Vereinsmitglieder hat sich seit Kriegsende stark verändert. Zum einen ist es die Überalterung und das Fehlen von neuen Mitgliedern; zum anderen muss man auch die Veränderung des gesellschaftlichen Lebens und das Freizeitverhalten der Menschen sehen, die mit dem technischen Fortschritt und dem wirtschaftlichen Aufschwung nach dem zweiten Weltkrieg verbunden sind. Bei manchem Imker hat in den 1980er-Jahren aber auch die Ausbreitung der Varroamilbe zur Aufgabe des Hobbys geführt.

Weil der Mitgliederschwund immer dramatischer wurde, haben sich die Imkervereine von Balingen, Hechingen, Haigerloch und dem Steinlachtal 2006 für eine großangelegte Nachwuchswerbung zusammengeschlossen. Beim Sportplatz in Schlatt wurde am 25. März 2006 eine Imkerschule mit Lehrbienenstand eröffnet. Kursleiter war kein geringerer als der „Bienenpabst“ Dr. Gerhard Liebig von der Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim. Es fanden sich 76 Teilnehmer, denen in den Sommermonaten imkerliches Grundwissen vermittelt werden konnte. Beim Imkertag in Endingen im November 2006 erhielten sie ihre Urkunde. Doch nicht alle wurden gleich Mitglied in einem der 4 Vereine; andere waren schon Mitglied und haben die Ausbildung gerne in Anspruch genommen. Der Balinger Verein führt seitdem regelmäßig Nachwuchsschulungen durch, die langsam zur Erholung und Steigerung der Mitgliederzahlen führen, so dass sich diese wieder der 200er Marke nähern.

Mitglieder- und Völkerentwicklung

Jahr Zahl der Mitglieder Zahl der Bienenvölker
1953 189 2.031
1962 199 2.589
1967 210 2.599
1976 163 1.676
1988 132 1.345
2008 131 1.258
2012 154 1.256
2016 195 1.385

Nach oben

Vorstandswechsel: Friedrich Scholte-Reh löst Paul Stickel ab
In den letzten Jahren konnte das Vorstandsteam verjüngt werden. Seit 01. Februar 2009 führt Friedrich Scholte-Reh den Imkerverein. Mit Scholte-Reh hat der Verein einen agilen, vorwärts strebenden Vorstand. Auf Initiative des Imkervereins Balingen konnte 2008, auch vor dem Hintergrund des Skandals im Rheintal, der Bienenschutzausschuss im Zollkernalbkreis wieder aktiviert werden. Die Satzung von 1988 wurde 2010 überarbeitet und angepasst. Bei der Pflanzaktion auf der rekultivierten Erddeponie „Schlackenhalde“ hat der Verein mitgewirkt und konnte dort 2011/12 einen Bienenlehrpfad anlegen. Damit sollen die „Bienen, ihre Bestäubungsleistung, der Honig und der Nutzen für unsere Landschaft“ der Bevölkerung näher gebracht werden.

Bienenflug und Trachtergebnisse täglich vom Dach des Landratsamtes

2010 schaffte der Verein eine vollelektronische Bienenstockwaage an, die sofort Online geschaltet wurde und den Imkern in der Region Trachtergebnisse anzeigt. Im Oktober 2012 folgten vereinseigene „Bienen auf dem Dach des Landratsamtes vom Zollernalbkreis“. Dank von Förderern konnte dazu eine Videokamera eingerichtet werden und kann neben dem täglichen Abruf von Wetter- und Trachtdaten aus Balingen auch weltweit der tägliche Bienenflug beobachtet werden (www.honigboerse.de).

Der Vereinsname wurde, wie schon erwähnt, 2012 in „Imkerverein Balingen | Geislingen | Rosenfeld e.V.“ geändert. Seitdem gibt es ein neues Logo:


Unter „www.honigboerse.de“ hat der Verein eine eigene Homepage im Internet, auf die rund um die Uhr auf die Vereinsinformationen zugegriffen werden kann. Mit Scholte-Reh als Vorstand wurde es möglich, dass der Imkerverein Balingen | Geislingen | Rosenfeld e.V. erstmals in seiner Geschichte am 16./17. April 2016 in der Turn- und Festhalle in Rosenfeld den Württ. Imkertag ausrichten und dabei sein 140-jähriges Vereinsjubiläum feiern konnte. Bei der Jubiläumsveranstaltung in Rosenfeld haben sich 14 Vereinsmitglieder an der Honigprämierung des Landesverbandes beteiligt. Von den 15 eingereichten Losen wurden 13 mit Gold und zwei mit Silber ausgezeichnet. Ein Zeichen, dass heimischer Honig von hoher Qualität ist und die Vereinsimker ihr Handwerk verstehen.

Die sachliche Darstellung der Entwicklung der Imkerei im Zollernalbkreis in knapp eineinhalb Hundert Jahren soll mit einem Gedicht von dem schon erwähnten Volksschullehrer Jakob Elsäßer, das die Gemütslage vieler Imker zusammenfaßt, schließen.



Imkers Glück und Friede (8)

 

Abseits vom Weltgetriebe, vom Arbeitslärm und Tand
umfängt den Imker Friede weilt er im Bienenstand.
In diesem Wundergarten, den`s Bienlein ihm gebaut
vergisst er all des Harten, vor dem ihm draußen graut.
Hier nimmt der Bienen Treiben sein ganzes Herz in Bann,
dass er die reinen Freuden niemals vergessen kann.

Alfred Jenter
Schwalbenstr. 4
72336 Balingen


Quellen: Ausschnitte aus den Vereinsprotokollen 1876 - 2016;
Zeitungsberichte; nachfolgend weitere Hinweise zu Fundstellen:
(1 + 2) Oberamtsbeschreibung Balingen von 1880, Seite 276 u. 547;
(3) Bienenpflege 1927, Seite 151 im Archiv beim Landesverband;
(4) Festschr. Landw. Bez.-Fest Ebingen 1927, S. 35 u. 36, Stadtarchiv Albstadt, Reg. 4/760;
(5) Volksfreund Balingen v. 26.09.1927 im Stadtarchiv Balingen;
(6) „Der Wille“ nat.-soz. Kreisamtsblatt v. 14.01.1936 im Stadtarchiv Balingen;
(7) Kreisarchiv Zollernalbkreis, Bestand ZAK 3/781 Bd. 2, Nr. 158;
(8) Aus Lebenserinnerungen v. 1935 v. Jakob Elsäßer, Privatsammlung.